Unsere Ausflüge
Vor unserer Tür gibt es ein wunderschönes weites Panorama. Der Blick schweift über das Casentino-Tal, zur Linken die Appeninkämme des Nationalparks der Foreste Casentinesi (casentinischen Wälder) mit ihrem höchsten Gipfel, dem Monte Falterona (1654) und zur Rechten die gesamte Bergkette des Monte Secchiata-Pratomagno. Wenn wir mit aufmerksamem Blick der Tal-Linie folgen, können wir am Horizont das typische Profil der Penna della Verna, Sitz des berühmten Franziskaner-Heiligtums ausmachen.
Der Nationalpark der Foreste Casentinesi wurde am 12. Juli 1993 gegründet und ist seit Februar 1994 öffentlich zugänglich. Er erstreckt sich mit 36 426 Hektar Fläche über Teile der Toskana und der Emilia Romagna, mit Sitz in Pratovecchio und Santa Sofia und vier Besichtigungszentren. Mit über 80 % Bewaldung ist er auch der waldreichste Nationalpark Italiens.
Die Einsiedelei Camaldoli
Camaldoli mit seiner typischen Naturheilmittel-Apotheke und der heiligen Einsiedelei ist zweifelsohne der schönste und bedeutendste Platz zum Besichtigen und Wandern in den Foreste Casentinesi.
Mit dem Auto brauchen wir ungefähr 40-45 Minuten, um diesen herrlichen Ort zu erreichen.
Zuvor jedoch, in der Ebene von Campaldino angekommen, können wir den Säulenstumpf betrachten, der an die Schlacht von Campaldino erinnert, die am 11. Juni 1289 zwischen Welfen (Florentiner) und Ghibellinen (Aretiner) ausgetragen wurde. Auch der gefeierte Dichter Dante Alighieri nahm an ihr teil, allerdings auf Seiten der Aretiner, wofür er von seinen Mitbürgern den Spitznamen „il ghibellin fuggiasco“ („der flüchtige Ghibellin“) bekam. Die Schlacht war überaus blutig und wie die Legende zu berichten weiß, kann man dort noch heute in Vollmondnächten die Wehklagen von Rittern und Soldaten hören, deren Körper nicht begraben worden waren.
Beim Weiterfahren, erreichen wir in kurzer Zeit die Brücke von Poppi. Wir werfen einen Blick aufs Schloss der Grafen Guidi, das sich zu unserer Rechten befindet und nehmen dann an der Abzweigung die Landstraße, die uns nach ca. 20 Min. an der Siedlung Moggiona vorbei nach Camaldoli bringt, wo wir einen kurzen Aufenthalt für eine Besichtigung der herrlichen, antiken Naturheilmittel-Apotheke des Klosters einlegen. Das Auto bringt uns in 5-6 Minuten zur heiligen Einsiedelei von Camaldoli, von wo aus unsere Ausflüge beginnen.
Jeder, der in der Einsiedelei von Camaldoli gewesen ist, konnte die außergewöhnliche Schönheit und die spirituelle Energie dieses Ortes feststellen.
Wenn die Foreste Casentinesi einen Höhepunkt besitzen, so ist es gewiss die Einsiedelei von Camaldoli, „von tausend Tannen tausendmal umgürtet“, wie der Dichter Benedetto Varchi sang.
In der Tat ist die Einsiedelei von einer Krone aus Tannen, den Edelsteinen dieser Wälder, umgeben, denen die Mönche immer eine sorgfältige Pflege angedeihen lassen, und die noch heute die Behausungen der Einsiedler vor den Winden der Tramontana und den Winterstürmen schützt.
Es war Sankt Romuald, der Mönch aus Ravenna, der hierher kam, um von 1023 bis 1027 den Benediktiner-Orden zu reformieren und ihn zusammen mit dem Hospiz zu gründen, das in der Folgezeit zum Kloster von Camaldoli wurde. Im Jahre 1080 kodifizierte Rodolfo, der vierte Prior der Einsiedelei zum ersten Mal die Lebensregeln der Gemeinschaft. Sie sehen die Pflege der Wälder vor, sowie die ständige spirituelle Weiterentwicklung der Mönche in perfekter Harmonie und Symbiose. Im Lauf der Jahre wurden diese Regeln auch zum Gesetz der Wälder ernannt.
Ausgehend von diesem wunderschönen Ort, können wir verschiedene Ausflüge unternehmen. Wir können Rundgänge wählen, die uns zum Ausgangspunkt, der Einsiedelei, zurückbringen oder wir haben die Möglichkeit Durchquerungen auszuführen. Hinter der Umgebungsmauer beginnen zwei Pfade, die uns erlauben, in kürzester Zeit zum Höhenweg 00 über den Gebirgszug des Appenins zu gelangen. Es handelt sich um eine richtiggehende Höhenstraße, die hier auch „giogana“ (von giogo = Joch) genannt wird, dem Namen, der der antiken, diesem Höhenzug entlang verlaufenden Straße gegeben wurde, die vom Pass der Calla nach Süden führt
Wenn wir, auf der Höhe angekommen, nach Süden fortschreiten, kommen wir zum Pass der Fangacci, und bei Gelegenheit können wir quer hinüber zur Badia Prataglia gelangen. Andernfalls können wir über den Poggio dei Tre Confini (Anhöhe der drei Grenzen) die Berghütte (Rifugio) Cotozzo erreichen, und an der Fonte della Duchessa vorbei wieder zur Einsiedelei zurückkehren. Eine weitere schöne Wanderung ist der Abstieg zur Lama, einem Ort von unglaublicher Schönheit, der sich schon in der Romagna befindet. Allerdings nur für Geübte zu empfehlen, da es etliche Höhenmeter hinunter geht, die es dann bei der Rückkehr wieder bergauf zu steigen gilt.
In der Gegenrichtung können wir die klassische Durchquerung von einzigartiger Schönheit unternehmen, die über den Poracareccio-Pass, den Poggio scali und die Pian Tombesi zum Calla Pass führt. Von der Höhe des Poggio scali hat man eine fantastische Sicht. Alfieri spricht davon, dass man an klaren Tagen vom Poggio scali aus sowohl das tyrrhenische wie das adriatische Meer sehen kann. Unterwegs kommt man an verschiedenen Naturschauspielen vorbei, wie die „inghiottitoi“, das sind durch die Erosion entstandene Erd-Vertiefungen. Vom Pian Tombesi aus hat man eine schöne Rundsicht über die Romagna und das Wasserbecken von Ridracoli, eine der wichtigsten Wasserreserven für Cesena und andere Städte der Romagna.
Falls man in einem Rundgang zur Einsiedelei zurückkehren möchte, gibt es schöne Seitenpfade, die uns zum Ausgangspunkt zurückbringen.
Dies ist nur eine Auswahl der Wandermöglichkeiten, ausgehend von der Einsiedelei Camaldoli, die sich inmitten einer herrlichen Natur befindet, wo Wandern zu einem einzigartigen Erlebnis wird.
Monte Falterona
Von uns aus leicht erreichbar ist auch eine weitere Gegend des Nationalparks der Foreste Casentinesi, und zwar die um den Monte Falterona, auch das Florentiner Gebirge genannt, entspringt dort doch der Arno, der Fluss, der unsere Stadt umfließt und auch zu ihrer Geschichte beigetragen hat.
In ungefähr 40 Min., nachdem wir den Ort Stia durchquert haben, erreichen wir den Calla Pass (1295), einen der höchsten Pässe, die sich im Appeningebirge befinden. Wir lassen das Auto auf dem Parkplatz vor der Berghütte des CAI von Stia (Untergruppe der florentinischen Abteilung des CAI) und nehmen links den Pfad 00, der die Fortsetzung des Höhenwegs von den Foreste Casentinesi kommend, bildet, und nach Norden erst zum Monte Falco (1658), dann zum Monte Falterona (1654) führt.
In dieser Gegend haben wir mehrere Wandermöglichkeiten. Z.B können wir durch das herrliche Oia-Tal hinabsteigen, bis zum Dorf Papiano, das sich kurz über Stia befindet. Auf dem Weg zum Monte Falco bemerken wir, dass diese Höhen-Gegend weniger waldreich ist, als der Kamm der Foreste Casentinesi, wodurch wir während unserer Wanderung ein fantastisches Panorama genießen können. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Monte Falco, von dem aus der Blick von der Emilia Romagna über das Mugello und das Sieve-Tal zum Casentino im Süden und an klaren Tagen sogar bis nach Umbrien und zu den Marken reicht. In der Ferne, im Nordwesten, können wir den Corno alle Scale und den Monte Cimone ausmachen.
Von hier ist es nicht mehr weit zum Monte Falterona mit den Quellen des Arno, und in einem Rundgang mit wunderschöner Aussicht, kehren wir zum Calla-Pass zurück.
Wir können auch bis zum Dorf Castagno d’Andrea absteigen.
Monte Secchieta – Pratomagno
PAuch wenn sie nicht wirklich zum Nationalpark gehört, ist diese Gegend von extremer Schönheit und bietet außer zahlreichen Wanderwegen, begünstigt durch ihren Nord-Südverlauf als Fortsetzung des Höhenweges vom Monte Falterona kommend, unvergleichliche Ausblicke.
Nach Süden zu sieht man an klaren Tagen die Gruppe der Sibillini, des Gran Sasso und des Terminillo, während gegen Norden der Blick über zahlreiche Appenin-Gipfel schweift, vom Corno alle Scale zum Rondinaio, vom Cimone, dem Monte Prado und dem Cusna bis zum Monte Nuda und dem Cerreto-Pass (Lunigiana-Hochland).
Im Westen, direkt vor uns sehen wir natürlich das Valdarno und dann… Florenz mit der Kuppel des Doms Santa Maria Belfiore.
In der gleichen Richtung, am Rand des Horizonts erinnert uns der Monte Serra mit seinen Antennen daran, dass das tyrrhenische Meer nicht weit ist.
Auch diese Gegend ist von uns aus schnell und leicht erreichbar, über den Höhenweg 00, der vom Croce a Mori-Pass nicht weit oberhalb von unserem Haus vorbei zum Ort Consuma (1000) und weiter zum Monte Secchieta führt.
Eine weitere Möglichkeit ist es, in ca. 30 min nach Vallombrosa zu gelangen, dem berühmten Luftkurort auf ca. 1000 Meter Höhe, mitten in herrlichen Tannenwäldern voller Quellen und Wasserläufe. Von dort aus bieten sich verschiedenen Pfade an, die uns erlauben, in kurzer Zeit den Gipfel des Monte Secchieta und des Pratomagno zu erreichen.
Vor dem Aufstieg jedoch ist die Besichtigung der herrlichen benediktinischen Abtei, die um das Jahr 1000 von San Giovanni Gualberto gegründet wurde, Pflicht.
Betreuung der Wanderungsmöglichkeiten
Carlo Sarti
CAI - Wanderführer